Rezensionsarchiv

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Nicht, dass das Openmic des 14.11. eine leidvolle Erfahrung gewesen wäre. Keineswegs. Gteränke, Publikum, Bühnentechnik - alles war in ausreichendem Maße und ansprechender Aufmachung vorhanden, und auch die Künstler waren... . Nun, diese zu beurteilen, ist wohl tradtitionell Zweck dieser kleinen Nachlese und damit (heute) meine Aufgabe. Da ich aber an besagtem Abend nicht nur als Rezensentin, sondern auch als Moderatorin und Musikerin beteiligt war, mich aber mein Leben lang immer höchstens auf eine Doppelrolle, nämlich die der Hausfrau und Mutter vorbereitet habe, fühlte ich mich bemüßigt, einen Teil der Arbeit auf's Publikum abzuwälzen und dieses mit Sitft und Papier ausgestattet Kritik üben zu lassen.
Dass nach zahllosen Absagen überhaupt Künstler dagewesen sind, finde ich, spricht schon so sehr für diese, dass ich sie, ohne dem Urteil der anderen vorgreifen zu wollen, als mindestens großartig beschreiben würde. Aber mal sehen, was andere meinen:

Helge Kirscht, spontan eingesprungen und openmicerfahren, nutzte den Abend, um seine englischsprachigen Lieder (sonst singt er auf Deutsch) "I Try", "That Guy In Their Mind" und "Hallelujah" vorzustellen.:
-"ersten 2 ganz schön";
-"die beiden ersten Songs o.k., das 3. zu viel Drama (und zu lang)!"
-"sehr textsicher"
- "2. Lied: "people are always laughing... about my guitar playing too" --> heute nicht!"
- "1) gut performtes "Johnny Cash"-Stück
  2) Atmosphäre erinnert an einen Country-Pub in Irland
  3) atmosphärisch dichte Beschreibung der nordamerikanischen Besiedlung durch
      christliche Siedler mit einem sehr aktuellen Bezug auf die unmoralischen Verhältnisse
      an der Wall-Street"
- "3. Lied düster"

Philipp Suess oder Orgasmic Rockstar machte sein Debüt und spielte einerseits wegen der relativ großen Lücken im Programm, andererseits auf Bitten der Zuschauer hin insgesamt sieben Stücke und zwar "Heut nicht", "Man soll sie feiern, wie sie fallen", "Anekdoten aus dem taubstummen Leben", "Come in and burnout", Vom Tellerwäscher", "Der gemütlichste Sessel der Stadt" und "Ein Grobmotoriker bittet zum Tanz".
-"Philipp aus Köln spielte passend zur Jahreszeit Herbst&Winterlieder. Mit Vollbart und passender Stimmlage beleuchtete er kritisch den Zeitgeist, um sich abschließend im "gemütlichsten Sessel der Stadt zurückzulehnen."
-"laut energetisch, poetisch, witzig"
-"anarchosyndikalistischer [?, AB] Kämpfer gegen neoliberale (4. Lied) Lohnsklaverei (5. Lied)"
- "Am Ende unklar: Woher kommt der Künstlername"
- "1) !Deutscher Text! anschauliche Metaphern: das Fenster zieht vorbei, die Betunie schön
      und welk
  2) Erinnerung an Reinhard Mey, nur melancholischer
  3) Gitarre scheppert manchmal: schade, da dies das textlich und melodisch ausgereifteste
     Stück ist.
  Die Zwischenreden wirken etwas unsortiert
  4) gut
  5) ?
 --> insgesamt: inhaltlich  und musikalisch abwechslungsreiche Lieder: "alles außer
      fröhlich"
- "eindringlich, atemlos"; "aggressiv fordernd"

Ann Bishop spielte als nächstes und muss sich Gottseidank nicht selbst rezensieren. Worte, die fast sämtliche Besonderheiten der deutschen Sprache, das "sch", den Diphtong "ei" und das "ß" enhalten, darf sie/ich (klar, dass ich meine Schizophrenie nicht bis zum Erhalt des Jagdscheins, sondern nur bis zum zweiten Satz durchhalten kann) jedoch nicht wiedergeben, da diese Website auch vor 22Uhr und daher Kindern zugänglich ist. Hiermit beantwortet sich auch die Frage eines Zuschauers: "Mal sehen, wie Du als Oberkritiker diese Aussage redigierst"?
- "singt und spielt deutlich schöner als sie schreibt!"; "bunte Klangfarbe"; "geizig: nur 3
 Lieder"
- "keine falsche Bescheidenheit! Entschuldige Dich nicht ständig, das ist typisch weiblich
1)+2) sehr schöne tiefe, empfindsame Stimme
2) eigenwillige, aber ausdrucksstarke Melodie"
- "Die weibliche Note, insbesondere die stimmliche, im Männerdominierten NovemberOpen-
  Mic übernahm Moderatorin AB herself. In gewohnt gekonntem Understatement setzte sie
  einen schönen Kontrast in die Bässe&Tenöre der anwesenden Sänger."
- "nuschelt etwas, tiefsinnig, schön"

Marco Isermann sollte mit fünf Titeln den Abend beschließen, leider fehlen in meinen Aufzeichnungen einige Angaben (großzügig gönnte Marco mir bei seinem 4.Lied eine Rückkehr ins Rampenlicht und ließ mich begleitend eingreifen, hielt mich dadurch aber vom Schreiben ab), so dass ich die gespielten Stücke nur teilweise rekonstruieren kann: "Die Frauen &Miro", "Meine Mami ist mein Taschenlampenlicht", "Sie kann nicht treu sein" und zwei weitere. Entschuldige, bitte!
-"Kunstkritiker Marco aus Leberschmusen brachte eine Ode auf seine Mutti und den Rest der
 Weiblichkeit, bevor er im Duett mit Ann einen "Uhshalala"-Ohrwurm in die Köpfe der
Zuhörer pflanzte."
-"schöne Stimme, Texte ausbaufähig, (Girls?), der "Frauenversteher", aber nett"
-"hatte ein müdes Publikum"
-"funky, groovy"
- "1) Verbindung zw. Frauen&Miro ist mir unverständlich?Oder gilt: reim dich oder ich fress
     dich?
  2) flott, schöne Stimme, Ödipussi-Komplex?
  3) Wenn der Postmann 3x klingelt... "

Gelernt habe ich aus diesem Abend (denn auch Wissen muss man teilen), dass im Publikum einige sehr begabte Kritiker sitzen, dass lesbare Handschriften Glückssache sind und dass ich trotz des großartigen Rückhalts aller Anwesenden (Danke!) froh bin, wenn Mario beim nächsten Openmic am 12.12. wieder den Hauptteil der Arbeit übernimmt.
Gruß,
Ann



 
 

 

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