Rezensionsarchiv

Keine Männer im August?


Die Männer, die für diesen Abend in der Mausefalle angekündigt waren, waren ausgeflogen bzw. hatten den Weg nach Bonn nicht gefunden. So wurde das openmic zu einer kurzweiligen und interessanten Veranstaltung, die den drei Damen (K.I.E.V. und Stefanie Jansen) den nötigen Raum ließen, um ihre Lieder angemessen und stimmungsvoll zu entfalten. "Ich bin unwiderstehlich, baby“, sangen K.I.E.V. (Krieg ist ein Vogel) und waren sich wahrscheinlich auch während ihrer Präsentation stets bewusst, dass das so ist. K.I.E.V. bestehen aus (B-)Anna-Lena und (T-)Anngret, die vor allem durch die Leichtigkeit und den Frohsinn bestachen, den sowohl ihre Lieder, die durch ihre Refrain-Lastigkeit ein großes Ohrwurmpotenzial haben, als auch ihre Ansagen versprühten.Die Themen ihrer Lieder reichen von Liebeserklärungen für ihre Mütter („Mutti“), über die Angst vor dem Alleinsein und die Suche nach Geborgenheit („Brennende Katze“) bis hin zum klassischen Thema der Popmusik: der Liebe („Ein Lied über´s  Segeln“, „Bei mir sein“ und „Affenbrotbaum“). Die Texte sind meist leicht, teilweise abgedreht, aber zugleich auch poetisch und romantisch.

Der Spaß, den die beiden Liedschreiberinnen und Sängerinnen hatten, zeigte sich in dem charmanten Spiel mit dem Publikum und in der Kommunikation untereinander. Beide bestachen durch ihre Schlagfertigkeit und wussten
schnell, den Sprüchen der Partnerin  etwas entgegenzusetzen. K.I.E.V. ist jedoch keine einfache Addition zweier Sängerinnen, denn sie potenzieren die Stärken der jeweiligen Sängerin zu einer gelungen Mischung, die wahrscheinlich keine der beiden für sich alleine erzeugen könnte.(T-)Anngret beispielsweise ist auch als die grandiose Ann Bishop bekannt, die in ihren Solokonzerten vor allem durch ihren emotionalen, manchmal abgründigen und melancholischen, aber stets mitreißenden Gesang immer wieder zu überzeugen weiß. Gerade in diesem Projekt aber stellt sie erneut ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis, sodass sie sich so weit zurücknimmt, dass ihre Stimme den Stücken nicht deren Leichtigkeit berauben. So verzauberte K.I.E.V. an diesem Abend in der Mausefalle das Publikum mit zweistimmigen, klaren bis melancholischen, niedlichen bis schwermütigen (z.T. Kanon-)Gesängen und Chören, einfachem und effektvollem Gitarrenspiel, Glockenspielklängen und Mundharmonika-Einlagen und stellenweise gewagter (leicht atonaler) Instrumentierung. Ihre Musik erinnert stellenweise an
Popensembles wie „Mia“ oder „Katze“, bleibt aber stets eigenständig, abwechslungsreich und vor allem so kurzweilig, dass Georg, der Besitzer der Mausfalle, gar nicht glauben konnte, dass tatsächlich schon fünf Stücke
gespielt wurden.

Die Stücke von Stefanie Jansen ergreifen den Zuhörer und nehmen diesen mit auf eine Reise durch eine Landschaft voller Sehnsüchte und Eskapismen.Wenn Stefanie Jansen singt und dazu Gitarre spielt, glaubt man, Suzanne Vega in ihren besten Zeiten hören zu können.Stefanie Jansen erläutert gerne und bereitwillig ihre (englischsprachigen) Lieder, was sie aber gar nicht müsste, da jedes ihrer Lieder individuelle Emotionen erzeugt, die den Zuhörer sowohl durch ihre Harmonien als auch durch ihre gesangliche Interpretation zu begeistern wissen, auch wenn er vielleicht nicht jedes Wort versteht.

Die Themen ihrer Lieder sind vielfältig und reichen von Sehnsüchten nach Geborgenheit („freefalling“) und Weltflucht („Nice Way to Die“) bis hin zu Irritationen („Orlando“) und Verantwortungslosigkeit („Fridays“).Stefanie Jansen hat nicht nur eine tolle, interessante, charmante und bewegende Stimme, sondern auch ihr Gitarrenspiel ist akzentuiert, zurückhaltend und passend. So wirkt jedes ihrer Lieder spannend, weil es zugleich kraftvoll und zerbrechlich ist, wie eine schwermütige Erinnerung, die einem zu entgleiten droht, an der man aber unter allen Umständen festhalten will. Stefanie Jansen ist aber eine fürsorgliche Reiseführerin durch ihre Seelenlandschaften. Sie stimmt den Zuhörer auf jedes ihrer Lieder ein, führt ihn mit ihrer zarten und klaren Stimme über Hügel und Berge, Felder und Wiesen, (Luft-)Schlösser und über Ozeane und entlässt ihn mit wunderschönen Harmonien in die Ferne und Weite. Ihr Gestus ist vor allem romantisch, wird aber durch ihre ruhige, bedachte und beobachtende Performance geerdet.

Da die angekündigten Männer bis zum Schluss fehlten, sang sie dann noch ein Schlaflied, das die Zuhörer ein weiteres Mal intensiv ergriff.

Abschließend ließ es sich Ann Bishop, die auch als Moderatorin durch diesen Abend führte, aber nicht nehmen, wenigstens für zwei Lieder Marco Isermann zu aktivieren, der bisher als Gast interessiert im Publikum gesessen hatte. So spielten die beiden Isermanns Evergreen „Das Schicksal ist kleinbürgerlich“ und improvisierten ein Stück, das vielleicht einmal „Las Vegas (und die Folgen)“ heißen könnte. Bevor es jedoch zu albern wurde, entließ Ann Bishop das geneigte Publikum, das zahlreich erschienen war, für vier stille Wochen bis zum nächsten openmic in der Mausefalle.

Und mit diesen Worten sagt diesmal Marco als Rezensent,:

Denkt dran am 12.September heißt es wieder:

Out of the bedroom - ab zum openmic.
 
 

 

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