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Die Überschrift meiner Rezension des Openmic am Pfingstmontag hätte auch "Schiri, wir wissen, wo Dein Auto stand!" lauten können, aber nach einem auf dem Fußballplatz (aktiv am Ball und am Bierpilz) verbrachten Wochenende, das sicher in die Geschichte eingehen wird, weil der FC zum soundsovielten Mal aufgestiegen ist, fand ich, ein bißchen gute Laune sei angebracht. Und die wurde angesichts sehr guter Darbietungen der Künstler in der Mausefalle auch nicht getrübt. Allenfalls der Zuschauerschwund im Laufe der Veranstaltung wäre zu bemängeln. Den muß ich mir allerdings selbst ankreiden, da ich in meinen letztmonatigen Ausführungen, vom Publikum gefordert hatte vorbeizukommen, vom Bleiben hatte ich nichts gesagt. Daher nun eine neue Losung für's nächste Mal: Wir kommen, um zu bleiben (gilt auch für den FC!)!

An einem Abend mit lauter alten Bekannten eröffnete ausgerechnet der einzige "Neue": Acoustic André. Die Openerrolle glänzend, ohne eine Spur Nervosität ausfüllend, trug er seine fünf Lieder vor. Mit kraftvollen geschlagenen Akkorden, von kleinen Läufen durchsetzt, erklang das erste Stück "Let her go". Als er es dann mit "For whom you love" etwas ruhiger angehen ließ, verharrten die Pärchen im Publikum in innigen Umarmungen, die aber durch das von Placebo inspirierten "Decide" und dessen Dreiecksbeziehungsthematik naturgemäß wieder gelöst wurden. Etwas langatmig kam dann "Alienation"
daher, bevor die schöne Gitarrenarbeit von "Childhood", einer Ode an die Na,was?, den Tag rettete und den Auftritt eines sympathischen Künstlers, dessen größte Stärke eindeutig das versierte instrumentale Spiel ist, auf gute Weise abrundete.


Für Mario Dompke, der wieder einmal -nach diversen Absagen- spontan eingesprungen war, hatte das Publikum, das sich bereits zum Aufbruch rüstete, nun leider nicht mehr soviel Aufmerksamkeit übrig. Und da ist ihm etwas entgangen. Der beste Auftritt nämlich, den ich je von Mario gesehen habe (und ich habe einige gesehen). Befreit vom Streben nach Perfektionismus (und damit meine ich nicht, dass er sich nun fröhlich dem Dilettantismus an den Hals wirft: Seine Pickingtechnik ist und bleibt einfach gut. Lediglich die sonst bei ihm üblichen Entschuldigungen, wenn doch mal eine Saite schnarrt, blieben aus.), einer Haltung, die er auch in einem seiner Songs propagierte. Die drei ersten Stücke, "Manchmal", "Vogelgezwitscher" und "Am Ende des Weges", waren ungemein persönlich, passten gut zu der introvertierten Vortragsweise und gefielen -besonders das letzte dieser neuen Lieder mit seiner chansonesque-jazzigen Attitüde und der märchenhaften Lyrik. Zum Abschluss brachte Mario dann das augenzwinkernde "Es ist nicht leicht, ein guter Mensch zu sein" und das ruhige "Menschchen".

Fragte man die Zuschauer des Abends nach Marco Isermann, würden die meisten wahrscheinlich antworten: "Das ist der Typ, der das Eröffnungslied gespielt hat!" Und das hat er auch. Es ist bloß nicht die ganze Wahrheit. Nachdem er die Veranstaltung mit dem "Openmic-Liedermacherlied" eröffnet hatte, kehrte er als dritter Act mit eigenen Liedern auf die Bühne zurück. Denen, die da bereits gegangen waren, entging ein launiger Auftritt eines großartigen Geschichtenerzählers, der in vertonten ironisch-kritischen Selbst- und Fremdbetrachtungen seine Pointen gut zu setzen weiß. Bei "Albertus Magnus", einem "Liebeslied aus Studententagen" spielte er gekonnt mit Klischees dieser Lebensphase, beleuchtete das Thema Eifersucht in den folgenden Stücken "Tu, was Du nicht lassen kannst!", "Mögen muss ich's nicht" und "Sie kann nicht treu sein" aus den unterschiedlichsten Perspektiven mittels diverser Musikstile, von Poprock bis Jazz. Im letzten Song "Justus Jonas kommt nicht mehr" entwickelte Marco in einem sehr charmanten Vortrag ein Szenario, in dem endlich einmal die weniger bekannten Charaktere der Drei???-Geschichten zu Hauptakteuren werden konnten.

Als ich Martini Tyran 2004 zum ersten Mal gesehen habe, war ich absolut fasziniert von seiner ungeheuren Präsenz. Und auch knapp sieben Konzerte später saß ich wieder begeistert vor der Bühne, ganz im Banne dieser kraftvollen Intensität, die er mit den einfachsten Mitteln, Gesang, Gitarre und gelegentlichem Mundharmonikaeinsatz, ausstrahlt. Seine Songs ("Ein Sprung ins Feuer", "Ödland", "Fünf vor Zwölf", Bis ans Ende der Welt" und Total Release") sind kurze Dramen mit verhaltenem Beginn, aber jederzeit zu einer Steigerung fähig. Auch wenn von anderer Seite schonmal inhaltliche Kritik geäußert worden: Das ist ein Mann, der meint, was er sagt (und für mich ist eine gewisse Kongruenz zwischen Haltung des Interpreten und dem Inhalt des Vortrags immer spannend.).

Jetzt gilt es, sich auf die EM vorzubereiten und auf's nächste Openmic am 9. Juni.

Gruß,

Ann

 

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