Rezensionsarchiv

Neueste Rezension:

Der April ist ein Versprechen, das der Mai halten muß

Dass dem April eine gewisse Unberechenbarkeit nachgesagt wird, beruht sicher zu großen Teilen auf dem bekannten (eher schlechten) Reim: "Der April macht, was er will!" Hieße der Monat nun Aprol, hielte man ihn vielleicht für besonders zuverlässig. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass es gerade zu dieser Zeit des Jahres zu einigen Überraschungen kommen kann. Die Bestätigung dafür lieferte das diesmonatige Openmic, bei dem zwei der fünf vorgesehenen Acts ohne Ankündigung ausfielen und die tatsächlich anwesenden durchaus Neues zu bieten hatten.

Den Anfang machten Lukas Retterath (Voc.) und Markus Schäfer (guit.) von den Giants, die in größerer Besetzung schon zweimal bei uns zu Gast gewesen waren. Auch zu zweit waren sie, die ihren Zusammenhalt als Band durch ihre schicken, aufeinander abgestimmten Outfits auch äußerlich deutlich machten, durchaus in der Lage zu unterhalten. Bei den Giants drängt sich natürlich, nicht zuletzt bedingt durch Lukas' Gesang und Markus' Anschlagmuster, der Vergleich mit Oasis auf. Beim ersten Song, dem rhythmuslastigen "Great Revolution", kamen mir als Referenz aber eher die frühen Vertreter der British Invasion The Who in den Sinn. Die eigentliche Vorliebe für die Jungs aus Manchester kam dann bei den folgenden Balladen ("We want more", "Pretending", I'm a dreamer") mehr zum Tragen. Nicht jedoch als punktgenaue Kopie (gerade das neue Stück "Feel alright" hatte eine sehr eigenständige Note, war es doch auch für eine im Publikum anwesende junge Dame geschrieben worden), sondern mit eigenem Charme, mal sehr melancholisch, aber immer selbstbewusst und gefällig.

Einen ganz neuen Ansatz fand Jan Sloane, einem jungen Engländer -derzeit allerdings in Aachen beheimatet-, der mit einem Keyboard und vier eigenen Stücken im Gepäck angereist war. Von eingespeisten Drumspuren begleitet begann er sein Set mit einem Instrumentalstück, das durchaus fröhlich daherkam. Bei "They",dem 2. Song, war der Gesang leider etwas zu leise eingestellt. Als dieses Problem dann mit Beginn des dritten Liedes, " Food", behoben war, konnte das Publikum Jans etwas hölzerne, monotone Stimme endlich hören, die in Kombination mit den 80er-Jahre-Sounds des Keyboards Erinnerungen an Joy Division bzw. New Order weckten. Beim abschließenden "Revenge", das sich musikalisch teilweise an die Dramaturgie eines ABBA-Stückes anlehnte, gesanglich aber betont stoisch blieb, lockte die Zuhörer, die dieser ungewohnten Clubmusik zunächst sehr skeptisch begegnet waren, aus der Reserve und bewegte sie zum Mitsingen. Festzuhalten bleibt, dass Jan sich beim Openmic auf ganz unkonventielle Weise eingebracht hat und beim nächsten Mal mit etwas mehr an Variationen sicher besser zu überzeugen weiß.

Bei Kaffee&Kuchen machte sich die geringe Zuschauerzahl besonders bemerkbar.
Die beiden Jungs sind mir von ihrem letzten Auftritt bei unserer Veranstaltung noch als großartige Stimmungsmacher in Erinnerung geblieben.
Ihr etwas brachiale Humor verebbte jedoch in den unendlichen Weiten des Raums. Davon unbeeindruckt boten Kevin Emmerichs und Matthias Scholz, beide für Gitarren und Gesang zuständig, eine gute Show. Vom eindringlich dargebrachten, dichten Sound im Opener "Die fetten Jahre sind vorbei", und interessanten rhythmischen Wechsel in "Sag Ja!" über die extrem maskuline Attitüde bei "Hey, Hey, Hey" bis zur anklingenden Virtuosität von "Rettet Holland" und Beinahe-Ragtime von Quark, zeigten sie sich musikalisch ansprechend facettenreich. Und ein etwas zahlreicheres Publikum, das auch noch die auf lockere Weise eingeflochtenen Botschaften des Duos aus Rheinland-Pfalz zu schätzen weiß, wäre den beiden zu wünschen gewesen.

Dankbarerweise erklärte sich dann Marco Isermann spontan (und in ungewöhnlicher Begleitung [wer das wohl gewesen ist? Jedenfalls hast du schön gesungen, liebe Ann Anmerk. von Mario ] bereit, den Ausfall der beiden anderen Gruppen durch die Darbietung zweier eigener Lieder und eines Covers zu kompensieren.

Vielleicht könnten wir uns alle die Überschrift (steht -wo sonst?- ganz
oben) dieser Rezension zu Herzen nehmen und am 12. Mai beim nächsten Openmic durch unser Erscheinen (das gilt für die Künstler und das Publikum) für die Einhaltung etwas derart Vielversprechendem sorgen.

Gruß,

Ann

 

home               Wir               Anmeldung         Cafe Tiferet       Kontakt           Impressum