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Alles neu macht der Mai !?

Nun, das gilt wohl eher für die im Frühling wiedererwachende Natur als für den Menschen, der regelmäßig angelegentlich größerer oder kleinerer Zäsuren wie Reifen- oder Jahreswechsel ins Grübeln verfällt und sich vornimmt, von nun an aber wirklich immer einen Wagenheber mitzunehmen und überhaupt alles anders zu machen. Dafür, daß man sich zwar einerseits Neuem öffnen, andererseits aber auch bewährte Traditionen fortführen sollte, lieferte das 1. Openmic im Jahr 2008 einen schlagkräftigen Beweis.

Mario Dompke, der den Abend eigentlich nur mit dem Liedermacherlied (auch so eine Tradition) eröffnen wollte, mußte, da der eigentlich gesetzte Künstler nicht erschienen war, gleich auf der Bühne bleiben. Das Urgestein des Openmic - als Organisator und Musiker ist er seit der ersten Stunde dabei - ist als überaus selbstkritisch bekannt. Gestern abend jedenfalls, bei seinem Sprung ins kalte Wasser, machte Mario dem Publikum jede kleine Unsicherheit, die sonst unbemerkt geblieben wäre, bewußt, indem er extra daraufhin wies. Wenn ich das machen würde, käme ich gar nicht von der Bühne 'runter (den Trick sollte ich mir unbedingt merken, um mein Set zu verlängern)! Wenn er auch nicht seinen eigenen Ansprüche genügte, die Erwartungen der anderen erfüllte er voll und ganz mit seinem technisch versiertem Gitarrenspiel, als er bei seinem launigen Auftritt zwei neue Lieder ("Klobürstenblues" und "Gevatter Tod") und den Klassiker "Meine Hälfte" zu Gehör brachte.

Marco Isermann, gänzlich neu in dieser Veranstaltungsreihe, war reichlich nervös, hatte sich aber eine treue Fangemeinde mitgebracht, um die Nerven zu beruhigen. Ein wirksames Mittel! Von Song zu Song gewann er an Sicherheit. Erst noch etwas ungeschliffen, wurde sein Spiel immer schwungvoller und es gelang ihm, den Zuhörern die nachdenklich-melancholische Welt seiner gesungenen Geschichten über Liebe, Lebensplanung und Freundschaft zu öffnen. Ein schöner erster Auftritt!

Der Schreihals, der seit seiner ersten Darbietung beim Openmic vor einem Jahr zig Konzerte absolviert und das Ende einer Beziehung (Verarbeitet hat er das - natürlich - in einem Lied) erlebt hat, zeigte souverän und sympathisch, wie man einen Gig so gestaltet als alter Profi. Der Liedermaching, der stets bereit gewesen ist, die eigene Virtuosität als Opfer auf dem Altar des Humors darzubringen, überraschte gerade durch die Fortschritte, die er im musikalischen Bereich gemacht hat. Seine Pointen sitzen inzwischen auch so perfekt, daß sie unabhängig vom Thema (Rache an der Ex, Jesus etc.) jeden, vom uralten Greis bis zum jungen Mädchen, zum Lachen bringen können.

Swolk, der zweite Neuling des Abends, der sich dem Publikum ohne Unterstützung seiner Kollegen vom gleichnamigen Bandprojekt stellte, gelang es, seine ruhigen Stücke atmosphärisch dicht vorzutragen. Mit rauchiger Stimme und stimmiger Gitarren- und Mundharmonikabegleitung schaffte er es, das Publikum zu begeistern. Ein unaufgeregter Auftritt mit Stücken über Liebe, das Verlassenwerden und "Lügner"!

Und dann waren da noch zwei Typen, die nach dem Ende des offiziellen Teils des Abends die Bühne enterten (enterten im positiven Sinne, nicht etwa entehrten), sich als Mike und der Doktor (Mike Godyla als Sänger und Bassist,  Stefan Janzik an der Gitarre) entpuppten und eine Show mit anspruchsvoller Musik, ausgefeilten Texten und einer fesselnd dargebotenen Bandbreite an Emotionen ablieferten, die sie selber als messerscharfen, bösdeutschen, zartbitteren, quietschfideler Bass- & Gitarrengesang bezeichnen

Alles in allem also war's eine gut gelungene Mischung aus Alt und Neu. So kann's weitergehen am 10.02.!

Gruß,

Ann

 

 

 

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